PRÄSENZ UND MITGEFÜHL


Festival Programm


Donnerstag, 17. August 2017
10.30 Uhr Eröffnung
mit Dr. Urs Honauer (CH), Gastgeber und Initiator des Bildungsfestivals

10.45 - 13.00 Uhr und 15.00 - 18.15 Uhr
Leitbahnen des Vagus - Tore zu Mitgefühl und Nervensystem
Traditionelle Rituale und klinische Interaktionen durch die Linse der Polyvagalen Theorie
Prof. Dr. Stephen Porges (USA)

An diesem ersten Tag des diesjährigen Bildungsfestivals präsentiert der weltbekannte Neuro-Forscher Stephen W. Porges die neurobiologischen Grundlagen von Präsenz und Mitgefühl aus der Perspektive der von ihm entwickelten Polyvagalen Theorie. Er legt dar, wie spezifische Eigenschaften von therapeutischer Präsenz einen speziellen neurophysiologischen Zustand auf beiden Seiten auslöst – bei der Klientin oder dem Klienten ebenso wie bei der Begleitperson. Das Essenzielle dabei ist ein Gefühl von Sicherheit, das entsteht.

Gemäss der Polyvagalen Theorie können expressive Züge von sozialem Engagement (z.B. freundliche Gesichtszüge, Gesten oder rhythmische, akzentuierte Stimmgebung) dem Gegenüber Sicherheit kommunizieren. Dadurch wird eine feindselige, defensive Haltung im Nervensystem nach unten reguliert. Damit sind die Grundlagen für ein Zusammensein auf der Basis von Mitgefühl und Präsenz geschaffen.

Aus dem Blickwinkel der Polyvagalen Theorie bietet sich auch eine neue Sichtweise für die Betrachtung von althergebrachten Ritualen an. Sie sind aus dem Blickwinkel von Stephen W. Porges effiziente Methoden für die Regulation von biologisch verankerten Verhaltensformen. Rituale, welche spezifische freiwillige Ausdrucksformen (z.B. Atem, Klang oder Körperhaltung) als Basis einer kontemplativen Praxis pflegen, tragen in sich ein grosses Potenzial zur Veränderung von vagaler Reaktion im Körper. Sie führen in einen direkten Kontakt zu den Organen der Viszera, die für die Gesundheit eine tragende Rolle spielen. Ein glücklicher Bauch trägt auch dazu bei, dass expansive subjektive Erfahrungen von Mitgefühl, Dankbarkeit und ein Verbunden-Sein mit allem was ist, erst entstehen und sich dann vertiefen können.

Die Effektivität von Ritualen und die individuelle Fähigkeit zur Präsenz sind von einem im Umfeld spürbaren Zustand von Sicherheit abhängig. Wie es das Modell der Neurozeption zeigt, können Kampf-, Flucht- oder Verflüchtigungsebenen biologisch gesehen nur ausgeschaltet werden, wenn alle Sensoren im menschlichen System Sicherheit markieren. In diesem Sinne gibt es keine volle Präsenz und kein Mitgefühl, wenn keine Form von Sicherheit vermittelt wird.

Neben den theoretischen Ausführungen wird der Referent auch kontemplative Übungen einbauen und Raum für Diskussion schaffen.


20.00 - 21.30 Uhr
Präsenz, Bewegung und gefühlte innere Führung
Li Rong Mei 

Die chinesische Tai Chi Grossmeisterin Li Rong Mei zeigt in ihren Open Air Präsentation direkt am See wie sich Harmonie und Dynamik in wunderbarer Weise ergänzen, wenn dank grosser Präsenz und innerer gefühlter Führung der körperliche Ausdruck zu einem phantastischen Tanz von Ästhetik, Eleganz und gelebter Kohärenz werden kann.

 



Freitag, 18. August 2017

10.00 - 13.00 Uhr und 15.00 - 18.15 Uhr
Verkörperte Präsenz als eine von Herzen kommende Grundlage der Heilung
Dr. Bonnie Badenoch (USA) 

Mit die tiefgreifendste Botschaft der beziehungsorientierten Neurowissenschaft lautet, dass wahre Präsenz, wahres Zuhören jeglicher Heilung zugrunde liegt. Angesichts des Sogs, der in unserer heutigen Kultur vom Tun ausgeht statt vom Sein, von Behandlungsplänen statt vom jeweils auftauchenden Moment, mag unserem Körper sogar das Gefühl abhanden gekommen sein, wirklich mit einem Gegenüber zusammen zu sein. Ein verkörpertes Verständnis der biologischen Wurzeln einer nicht wertenden offenen Empfangsbereitschaft kann das Wiederauftauchen jener Art von Präsenz unterstützen, die die Absicherung bietet, die es braucht, damit die inhärente Weisheit unserer Patientinnen und Patienten zum Vorschein kommen und den therapeutischen Prozess lenken kann.

Heute werden wir uns Informationen aus vielen Forschungsrichtungen zunutze machen, um in die Welt unseres wahrlich bemerkenswerten verkörperten Nervensystems einzutauchen. Wenn wir auf die neuronalen Ströme unserer Haut, Muskeln, unseres Bauch- und Herzgehirns und autonomen Nervensystems zu lauschen beginnen, bekommt unser Vermögen zu einer aufnahmefähigen Stille mehr Tiefe. Wir werden feststellen, dass diese Ströme Zeiten in Erfahrung bringen und erinnern, in denen eine warmherzige Beziehung stattfand wie auch Zeiten voller Schmerz oder Angst. All das wurde ursprünglich in Beziehungen aufgebaut, und wenn unsere PatientInnen zu uns kommen, finden sie in den Armen unserer für sie empfänglichen Fürsorge Heilung. Damit rückt die Neurowissenschaft der Co-Regulation in den Mittelpunkt unserer Betrachtungen. Angesichts der ganzen heutigen Betonung von Selbstregulation werden wir vielleicht merken, wie diese Entdeckungen uns stattdessen in die Richtung anderer verweisen. Im Endeffekt reichen unsere Ressourcen in Form einer nicht wertenden Präsenz und in Form von Mitgefühl vielleicht einfach ein wenig tiefer als zuvor.


20.00 - 21.30 Uhr
Polarity, Präsenz und Mitgefühl
Jim Feil (USA)



Samstag, 19. August 2017

10.00 - 13.00 und 15.00 - 18.15 Uhr
Mitgefühl ist ein Teil von Präsenz

Dr. Peter A. Levine (USA)

Was bedeutet es wirklich, Präsenz und Mitgefühl zu entwickeln? Wie zeigen sie sich als wesentliche und kraftvolle Charakteristiken in der Therapie, der Medizin, dem Business, in der Politik und egal wo als Führungsqualität? Diesen Fragen geht Dr. Peter A. Levine am 3. Tag dieses Bildungsfestivals 2017 nach.

Mitgefühl, in seiner vollen Essenz, ist für den Begründer von SOMATIC EXPERIENCING (SE) ein vitaler Aspekt von Präsenz. Oft versuchen Menschen unter grosser Anstrengung zu lernen, wie sie wirklich Mitgefühl entwickeln können. Das ist im besten Fall eine äusserst herausfordernde Aufgabe. Manchmal auch ein viel zu hoher Berg für eine erfolgreiche Besteigung. Ganz anders bei der Präsenz – wenn jemand diese findet und verkörpert, dann sind Mitgefühl für sich und für andere meist das Resultat eines organischen Prozesses, ein natürliches Potenzial für Flow, das uns allen als eine Art Geburtsrecht mit in die Wiege gelegt wurde. Deshalb ist Mitgefühl ohne Präsenz nicht wirklich Mitgefühl, sondern eher so etwas wie Sympathie. Im Gegensatz zum Mitgefühl kann Sympathie eine Person letztlich sogar eher schwächen.

An diesem Samstag wird Peter A. Levine mit den Anwesenden zusammen die Welt der Präsenz als ein theoretisches Konstrukt erkunden, um danach bei direktem zwischenmenschlichem Kontakt in Live Demonstrations und mit Übungen zu zeigen, wie Präsenz und Mitgefühl eine Führungsrolle übernehmen beim Zusammenkommen mit einer anderen Person, sei es im privaten oder im beruflichen Kontext. Auf diese Art lernen wir nicht nur, wo eine Person möglicherweise stecken geblieben ist, sondern auch wie wir ihr grösstes Potenzial in Richtung von persönlichem Wachstum, der Begegnung mit Präsenz und Mitgefühl inbegriffen, lenken.  

 

20.00 Uhr
Ils Fränzlis da Tschlin - Weltmusik mit Engadiner Wurzeln
Open Air Konzert im Pavillon am See

 «I vegnan ils Fränzlis!» Erschallte dieser Ruf durchs Dorf, wusste die Engadiner Jugend des 19. Jahrhunderts: Heute wird bis spät in den Morgen hinein getanzt. Die Fränzlis gehörten zur Dynastie der Familie Waser, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus der Innerschweiz über das Bündner Oberland ins Engadin einwanderte. Ihr berühmtester und mittlerweile legendärer Vertreter, der blinde Geiger Franz-Josef «Fränzli» Waser, liess sich in Chaflur bei Strada nieder. Mit seinem Vater und seinen Brüdern spielte er um 1870 im ganzen Engadin und im Bergell bis nach Chiavenna zum Tanz auf.

Die «neuen Fränzlis», eben «Ils Fränzlis da Tschlin» führen diese Tradition seit 1982 erfolgreich weiter und geben Konzerte in der ganzen Schweiz und im Ausland. Die «neuen Fränzlis» spielen nicht ausschliesslich traditionelle Tänze, sie bewegen sich mit Lust und Freude in allen Musikstilen und bringen die verschiedensten Elemente in ihre Musik ein. Vom Volksmusikfan bis zum Klassikfreak kommen alle bei ihren Konzerten auf ihre Rechnung.

Fränzlis (CH)

 



Sonntag, 20. August 2017
10.00 - 13.00 Uhr und
14.00 - 15.30 Uhr
Abschluss und Open Space mit Bonnie Badenoch, Stephen Porges und Peter A. Levine
Moderation: Dr. Urs Honauer (CH)

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